Umfallen, abfallen, ausfallen…

Begebenheit 1: Ein erwachsener Anfänger in der Skischule fällt aus dem Stand um. Ein Knirps beobachtet die Szene amüsiert und sagt zu seiner Mutter: „Schau mal! Der grosse Mann hat sein Übergewicht, nein sein Untergewicht,…hm… sein Gleichgewicht verloren.“

Umfallen, abfallen, ausfallen_Sybille Wyss.jpg

Begebenheit 2: Ein Schüler bearbeitet eine Aufgabe: Er bildet aus Vor- und Grundbausteinen Wörter. Er findet die Begriffe: abfallen, befallen, umfallen, verfallen. Wir suchen Beispielsätze und merken, dass die Verben (Tunwörter) unterschiedliche Bedeutungen haben und der Platz des Vorbausteins (der Vorsilbe) verschieden ist:

  • Niemand will im Skirennen abfallen. Der Knopf an der Skijacke fällt ab.
  • Das Team ist vom Wettkampfeifer befallen.
  • Niemand will auf dem Skilift umfallen. Der Mann fällt aus dem Stand um.
  • Das Skiabonnement ist verfallen.

Aus diesen Verben bilden wir Nomen (Namenwörter):

  • der Abfall der Hotelgäste
  • der Ausfall eines Skifahrers
  • der Beifall der Zuschauer
  • der Einfall des TV-Kommentators
  • der Unfall der Slalomfahrerin
  • der Vorfall entlang der Piste
  • der Wegfall der Konkurrenz

Wir steigern uns in ein Feuer und suchen auch noch Adjektive (Wiewörter):

  • auffälliger Fahrstil
  • gefallener Favorit
  • zerfallenes Chalet

Das Konzept der Vor-, Grund- und Endbausteine (Morpheme) begeistert mich. Weiss man, wie man einen Grundbaustein (Stamm) schreibt, kann man daraus –zig neue Wörter generieren. So lässt sich die Rechtschreibung strukturieren und sie macht beinahe Spass.

In der Zwischenzeit hat sich der Skianfänger, der weder über- noch untergewichtig ist, aufgerappelt und sein Gleichgewicht wieder gefunden. Zufällig bemerkt er, dass ihm beim Umfallen das Abonnement herausgefallen ist. Welch ein Glücksfall!

Typische Vorbausteine (Vorsilben): ab, an, auf, aus, be, bei, davon, durch, ein, ent, er, fest, fort, ge, her, heraus, herein, herum, hin, hinaus, hinein, los, mit, nach, über, um /un, unter, ver, vor, voll, weg, zer, zu, zurück

Versuchen Sie es einmal mit dem Verb GEHEN. Sie werden staunen!

Sibylle Wyss-Oeri

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